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Kirche
 

Wir schreiben das Jahr 1455. Damals war Jakob von Sierk Erzbischof und Kurfürst zu Trier. Zu ihm kamen eines Tages die „Grauen Schwestern vom Hl. Franziskus zu Trier Löwenbrück" mit der Bitte sich im damaligen „ Vilcinge" niederlassen zu dürfen. Ihrer Bitte wurde stattgegeben. Im Juli 1455 bezogen dann 8 Schwestern und 2 Novizinnen eine kleine einfache Klause an der ehemaligen Andreaskapelle. Es waren sehr arme Schwestern. Sie mussten sich von der Krankenpflege und im unterrichten der einheimischen Frauen und Mädchen ihren Lebensunterhalt verdienen. Weil es ein bürgerliches Kloster war, traten immer mehr Frauen aus dem Ort und aus der näheren und weiteren Umgebung ins Kloster ein. Sie brachten dann als Mitgift oft Ländereien und Weinberge beim Eintritt ins Kloster mit, so dass man .bald neue große Wirtschaftsgebäude bauen musste.

1486 wurde dem Kloster ein Sonderrecht eingeräumt. Sie durften das sogenannte Mühl- und Mahlrecht ausüben. So wurde dann eine Mühle im selben Jahr erbaut. Der Wasserzulauf war ein mit Schiefersteinen gemauerter Kanal. Er war etwa 50 cm breit und 60 cm hoch. Er verlief bis oberhalb vom Dorfe, zum sogenannten „Weiher".. Der wurde 2 Tage vor dem Mahltag durch den direkt vorbei fließenden Bach mit Wasser gestaut. Ein Teil des Kanals ist heute noch vollständig erhalten.

Links von uns ist die heutige Klosterschenke, die seit 1669 von Schwestern bewohnt war. Sie war zur Zeit des Klosters das Verwaltungsgebäude. Es diente gleichfalls als Zehnthaus und Zehntscheune. Hier mussten die Leute, die vom Kloster Ländereien gepachtet hatten, am 11.11. , also am St. Martinstag ihre Pacht in Form von Naturalien abliefern. Noch heute erinnern einige Flurnamen wie „Auf der Acht, auf dem Siebent, in der Zehnt" auf die abzuliefernden Naturalien. Von der „Acht" musste jede, Garbe vom „Siebent" jede 7. Garbe und von der „Zehnt" jede 10. Garbe Getreide abgeliefert werden. Im Winter wurde dann das Getreide mit der Hand in der Zehntscheune gedroschen und die Getreidekörner zum trocknen auf den Speicher des Klosters gebracht. In der Blütezeit des Klosters, Ende des 17. Jahrhunderts, sowie noch Anfang des 18. Jahrhunderts, besaß das Kloster neben großen Acker und Wiesenflächen, noch etwa 70 ha Weinbergsfläche.

Der Weinbergsbesitz reichte von Neumagen Dhron moselabwärts bis Erden. Etwa 20 ha im Brauneberger Juffer waren im Besitz des Klosters.. Hier in unserer Gemeinde erinnern heute noch Weinbergslagen an den ehemaligen Besitz des Klosters. Die ehemaligen Lagen Nonnenberg, im Paradieschen, sowie die Lage Klostergarten. In alten Urkunden ist zu lesen, das das Kloster in guten Weinjahren etwa 60 bis 70.000 Liter Wein geerntet hat. Die einzige Zufahrt zum Kloster war am Friedhofseingang. Es war ein großer Torbogen, von dem heute noch ein Teil der Sandsteinstempel zu sehen sind. Unterhalb der heutigen Friedhofsmauer war die ehemalige Klosterschmiede. Der Friedhof in seiner jetzigen Form wurde schon Anfang des 19. Jahrhunderts angelegt. Bis zu diesem Zeitpunkt wurden die Verstorbenen auf der rechten Seite des Zugangsweges zur Kirche beerdigt.

1709 beschloss die damalige Oberin Rapp aus dem Nachbarort Lieser, eine sehr reiche und begüterte Frau, den Neubau eines Klosters, weil die Räumlichkeiten Gebäudeteile auf, um sie mit großem Gewinn an Interessenten wieder zu verkaufen. Die Gemeinde kaufte ein Teil des Klosters auf, um es als Pfarrhaus und dem Pastor als Wohnung zu überlassen. Filzen war verwaltungsmäßig bis zum Jahr 1803 der Pfarrei Wintrich unterstellt. Es hatte genau wie Kesten 2 Schöffen im Verwaltungsrat. Filzen wurde 1803 selbstständige Pfarrei unter dem Namen „St. Josef'. Am 1.9.1803 wurde Herr Johann Jakob Schnitzius als 1. Pastor von Filzen feierlich in sein Amt eingeführt. Herr Pastor Schnitzius stammte aus Kröv und war ein sehr wohlhabender und begüterter Mann. Herr Schnitzius hat sich in unserem Kloster ein bleibendes Andenken gesetzt. Er kaufte nämlich den gesamten Nordwestflügel auf. In ihm konnten dann 3 Schwestern bis an ihr Lebensende wohnen. Ein ehemaliger Militärarzt, ein Dr. med. Schneider kaufte ein Wohnteil im Kloster auf und eröffnete dort eine Praxis. Da er durch seine Kriegsverletzung am Bein sehr hinkte, hieß er im Volksmund „der hinkende Schneider". Seine Frau starb im Jahre 1803, er selbst im Jahre 1832. Von beiden steht heute im Andreasturm ein sehr schöner Grabstein.Nach einer sehr gelungenen Restauration durch den Bildhauer Becker aus Kues, kann dieser Grabstein als ein sehr schönes, altes Kulturgut angesehen werden.

Da der alte Schulsaal auf dem Gerätehaus nicht mehr den schulischen Ansprüchen genügte, kauft die Zivilgemeinde im Jahre 1840 einen großen Teil des Südwestflügels auf, um ihn als Schulraum bzw. als Lehrerwohnung nutzen zu können. Bis zum Jahre 1906 wurden in einem Schulraum 104 Kinder von einer Lehrperson unterrichtet. Der letzte Lehrer der dort wirkte war Johann Kaspers. Auf Anordnung der Kreisschulbehörde musste die Gemeinde 1905 ein neues, den schulischen Ansprüchen geeignetes Schulgebäude bauen. Im August 1906 wurde das neue Schulgebäude bezogen. Es wurde nun eine zweiklassige Schulstufe errichtet. 1832 kaufte Nikolaus Thomas einen großen Gebäudeteil des Klosters. Ebenfalls erwarb ein Nikolaus Licht im selben Jahr ein Teil des Klosters. Das ehemalige Wohngebäude des Dr. Schneider kaufte 1842 Peter Kranz. In der ehemaligen Klosterkirche wurde nach Fertigstellung des Klosterbaus ein wunderschönes dreiteiliges Altarwerk im barocken Stil erstellt. Ebenfalls wurde die herrliche Barockkanzel im selben Jahr errichtet. Auch die Barocke Empore wurde im selben Zeitraum angebracht. Auch heute sind noch die Chorstühle mit den Ohrlehnen sichtbar erhalten. Sie dienten damals den alten und kranken Schwestern als Platz während des täglichen Gebetes oder während der Messfeier. Erbauung 1721 ‑ 24. Im Jahre 1740 wurde die schöne und klangvolle Orgel auf der oberen Empore errichtet.

Ein Novum in der Klosterkirche ist die Beerdigungskrypta, in welcher 36 Nonnen nach italienischer Sitte im Mauerwerk der Kirche in gemauerten Grabkammern beerdigt sind, Diese Krypta ist übrigens die nördlichste der Alpen. Der Namen und das Todesjahr sind aus einer alten Urkunde noch ersichtlich. Aus diesen Aufzeichnungen kann man entnehmen, dass das Kloster nicht nur ein Historischer Mittelpunkt unseres Ortes ist, sondern das es auch auf eine bewegte über 500 Jahre alte Geschichte zurückblicken kann.